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Institut für Lese- und Medienforschung

Forschung für die Leseförderung

Um die Projekte zur Leseförderung an neuesten Forschungserkenntnissen ausrichten zu können, hat die Stiftung Lesen im Jahr 2006 ein eigenes Institut für Lese- und Medienforschung gegründet. Das Institut mit insgesamt drei fest angestellten Mitarbeitern identifiziert neue Themen und Trends im Bereich Lese- und Medienforschung und führt zahlreiche Untersuchungen und Evaluierungen durch. Damit ist es ein wichtiger Impulsgeber für die Programmarbeit der Stiftung Lesen.


Das Institut untersucht grundlegende Fragen zu Mediennutzung, Lese- und Vorleseverhalten, Lesesozialisation und zahlreichen weiteren Themenbereichen. Dabei handelt es sich entweder um selbst initiierte Forschungen – zum Teil gemeinsam mit Partnern – oder Auftragsstudien.
Zu den Kernthemen, mit denen sich das Institut beschäftigt, gehören die Bedeutung des Lesens in einer sich kontinuierlich wandelnden Mediengesellschaft, der Stellenwert des Lesens in Deutschland, soziodemographische Unterschiede sowie Einflussfaktoren und Anreize zur Förderung von Lesefreude und Lesekompetenz. Darüber hinaus gehen die Mitarbeiter des Instituts für Lese- und Medienforschung aktuellen Trends und Veränderungen im Medienangebot nach und leiten daraus Erkenntnisse für die Praxis der Leseförderung ab.


Diese Forschungsergebnisse fließen direkt in die Projektarbeit der Stiftung Lesen ein, so zum Beispiel bei der Entwicklung und Konzeption von neuen Projekten. Begleitend zu einzelnen Leseförderungsprojekten evaluiert das Institut Durchführung, Funktionsweisen und Wirkungen von Maßnahmen und bietet so Ansatzpunkte für die zukünftige Projektarbeit der Stiftung Lesen. Das Institut für Lese- und Medienforschung berät und unterstützt Kooperations- und Netzwerkpartner der Stiftung Lesen und stellt ihnen Ergebnisse aktueller Forschungen zur Verfügung. Das Institut fungiert als bundesweiter Ansprechpartner und Ideengeber für Fragen der Lese- und Medienforschung. Seine aktuellen Forschungsergebnisse veröffentlicht das Institut in einer eigenen Schriftenreihe. Seit 2007 erscheint im Zusammenhang mit dem Bundesweiten Vorlesetag jährlich im November eine wissenschaftliche Untersuchung zur Situation und Wirkung des Vorlesens. Außerdem konzipiert und organisiert das Forschungsinstitut Fachtagungen zu bildungspolitisch relevanten Themen mit Bezug zur Leseförderung und repräsentiert die Stiftung Lesen bei Fachtagungen und Podiumsdiskussionen vielfältiger Veranstalter.

Vorlesestudie 2016 - Was wünschen sich Kinder?

Studie zeigt: 9 von 10 Kindern lieben das Vorlesen / Besonders Kinder, denen wenig vorgelesen wird, wünschen es sich öfter / Ein Drittel der Eltern liest zu selten vor

Das Ergebnis ist eindeutig: 91 Prozent der Kinder in Deutschland gefällt es gut, wenn ihnen vorgelesen wird. Auch bei Kindern aus Haushalten mit mittlerer und niedriger Bildung liegt dieser Wert bei 90 bzw. 86 Prozent (hohe Bildung: 94 Prozent). Kaum eine Abweichung gibt es bei Kindern, in deren Haushalt eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird (92 Prozent).

Fast jedes dritte Kind, dem vorgelesen wird, wünscht sich, dass dies öfter geschieht (30 Prozent). Bei Kindern, denen selten oder nie vorgelesen wird, ist es jedes zweite (49 Prozent).

Darüber hinaus zeigt sich, dass Kinder ganz konkrete Vorstellungen haben, welche Geschichten ihnen besonders gut gefallen. So mögen vor allem jüngere Kinder lustige Geschichten. Für Ältere sind eine spannende Handlung und interessante Charakter wichtige Kriterien.

Die Präsentation der Studienergebnisse und eine Liste mit lustigen und spannenden Buchtiteln können im nebenstehenden Downloadbereich heruntergeladen werden.

REACH - REaching young adults with low ACHievement in literacy

Zugänge zu jungen Erwachsenen mit geringen Schriftsprachkenntnissen

Engagement & Gesellschaft / Preise ©FotoLyriX - fotolia.com

Im Blickpunkt von REACH stehen junge Erwachsene zwischen 16 und 35 Jahren auf dem sog. alpha-Level 3, die eine besondere Gruppe unter den lesefernen Erwachsenen bilden: Sie können für ihren beruflichen Lebensweg besonders stark und nachhaltig von Förderangeboten profitieren. Ihre frühzeitige Ansprache lässt auf eine Erhaltung und Stärkung der Lesekompetenz in späteren Lebensphasen hoffen. Sie wäre idealerweise gekoppelt mit einer Motivation und Befähigung der Zielpersonen als Lesevorbilder für ihre Kinder, womit eine nachhaltige, in die nächsten Generationen hinein wirksame Leseförderung verbunden wäre.


Das Vorhaben verfolgt vier Ziele:

1. Eine differenzierte Analyse und Charakterisierung der Zielgruppe der 16-35-Jährigen soll Zugangswege identifizieren, die eine zentrale und flächendeckende Ansprache einerseits bzw. eine spezifische, an bestimmte Teilgruppen zielgerichtete Ansprache andererseits ermöglichen. Ziel ist die Motivation, (besser) lesen und schreiben zu lernen bei der Zielgruppe zu wecken oder zu verstärken.

2. Parallel zur ergebnisoffenen Sondierung wird überprüft, ob bereits vorhandene Multiplikatoren und Zugangswege genutzt werden können. Dies gilt u. a. für Ärzte, über die eine Ansprache der Zielgruppe realistisch scheint. Diese Annahme resultiert aus positiven Erfahrungen im Rahmen des Programms Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen.

3. Durch eine genaue Beschreibung der Lebenswelten und Interessen der Zielgruppe werden Themen und Kommunikationsmittel identifiziert, über die die Zielgruppe besonders gut und effektiv erreicht werden kann.

4. Aus den abgeleiteten Handlungsoptionen werden im Anschluss drei vielversprechende Ansätze modellhaft erprobt und wissenschaftlich begleitet. Die Erkenntnisse aus dem Projekt REACH geben schließlich Aufschluss darüber, ob und wie die 16-35 Jährigen auf α-Level 3 erreicht und zur Teilnahme an Fördermaßnahmen motiviert werden können.


http://www.stiftunglesen.de/institut-fuer-lese-und-medienforschung/forschungsprojekte/reach

Stiftung Lesen veröffentlicht erstmals Studie zu funktionalem Analphabetismus am Arbeitsplatz

Viele "Mitwisser" in den Betrieben

SAPFA_Publikation ©Stiftung Lesen

In Deutschland leben 7,5 Millionen erwachsene Menschen, die trotz Schulbesuchs nicht richtig lesen und schreiben können. Mehr als die Hälfte von ihnen ist erwerbstätig. Die Stiftung Lesen hat nun erstmalig Studienergebnisse zu funktionalem Analphabetismus am Arbeitsplatz veröffentlicht und die Publikation mit dem Titel „Alphabetisierung und Grundbildung am Arbeitsplatz. Sichtweisen im beruflichen Umfeld und ihre Potenziale“ zum kostenlosen Download bereitgestellt. Der Band beruht auf einer Studie, die im Rahmen des Förderschwerpunkts „Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt wurde.


Die Untersuchung  der Stiftung Lesen beschreibt erstmals aus Sicht des beruflichen Umfeldes die Situation funktionaler Analphabeten am Arbeitsplatz, das Klima unter Kollegen und Vorgesetzten sowie Ansatzpunkte, um in Unternehmen für das Problem zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt stehen Beschäftigte in Branchen und Tätigkeitsfeldern, in denen der Anteil funktionaler Analphabeten überdurchschnittlich hoch ist, zum Beispiel im Baugewerbe, in der Gastronomie oder der Gebäudereinigung.


Die Untersuchung zeigt, dass funktionaler Analphabetismus am Arbeitsplatz entgegen der gängigen Auffassung kein verstecktes Phänomen ist: Viele Betroffene gehen offen damit um, Kollegen und Arbeitgeber wissen häufig von funktionalen Analphabeten in ihrem Umfeld. Um betroffenen Mitarbeitern das Lesen und Schreiben abzunehmen, greifen sie oft auf Hilfsmechanismen zurück, etwa festgelegte Farbkodierungen auf Putzmitteln. So werden in der Praxis im Sinne der Fehlervermeidung oft nur die Symptome kuriert, statt das Problem nachhaltig anzugehen. Gleichzeitig arbeitet die aktuelle Studie der Stiftung Lesen Potenziale und Ansatzpunkte für zukünftige Maßnahmen im Bereich der Arbeitsplatz orientierten Grundbildung heraus, die sich aus dem offenen Umgang mit funktionalen Analphabeten ergeben. So sollen mit Hilfe der Studienergebnisse langfristige und nachhaltige Lösungen entwickelt werden, wie im betrieblichen Umfeld das Problem des funktionalen Analphabetismus bewältigt werden kann.

Konferenzband "Prepare for Life! Raising Awareness for Early Literacy Education"

Innovative Early Literacy-Ansätze präsentiert in einem neuen E-Book

Prepare For Life Titelbild Konferenzband ©Stiftung Lesen

Endlich publiziert und gleich herunterladbar: Das E-Book Prepare for Life! Raising Awareness for Early Literacy Education ist das Resultat der gleichnamigen internationalen Expertenkonferenz, die im März 2013 in Leipzig stattgefunden hat.


Über das E-Book
Das englischsprachige E-Book präsentiert innovative praktische Ansätze und Forschung von 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Konferenz, unter ihnen herausragende Wissenschaftler wie beispielsweise Wolf Singer, Susan B. Neuman oder Eric A. Hanushek. Die Beiträge behandeln Themen von der Hirnforschung bis zur ökonomischen Relevanz frühkindlicher Entwicklung.

Warum dieses E-Book für Sie ist
Dieses E-Book ist für jeden, der im Bereich der Leseförderung arbeitet. Warum für jeden? Weil Early Literacy das Sprungbrett ins lebenslange Lernen ist und als Basis für den späteren Leseerwerb dient. Die Beiträge bringen Sie auf den neuesten Stand.

Buchabschnitte
1. Early Childhood Development – Prerequisites for Better Outcomes
2. Early Literacy Education – Concepts, Practice and Meaning
3. Background Conditions and Factors Influencing Development Potential and Literacy Support
4. Actors Promoting Early Childhood Literacy
5. Good Practices
6. Long-Term Perspectives
Leipzig Recommendations on Early Literacy Education

Über die Konferenz
Mehr als 130 Teilnehmer aus 35 verschiedenen Ländern diskutierten aktuellste kulturelle, soziale und politische Themen mit Bezug auf frühkindliche Entwicklung und Lesekompetenz. Die Internationale Expertenkonferenz „Prepare for Life! Raising Awareness for Early Literacy Education" fand vom 12. bis 14. März 2013 in Leipzig statt. Die Konferenz wurde von der Stiftung Lesen und dem deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung organisiert.

Technische Details
144 Seiten als PDF.


Das kostenlose E-Book jetzt herunterladen (PDF):
Prepare for Life! Raising Awareness for Early Literacy Education

Innovative Early Literacy Approaches Featured by new E-book

Finally published and downloadable: The e-book “Prepare for Life! Raising Awareness for Early Literacy Education” is the result of the same-titled international expert conference that took place in Leipzig in March 2013.

About the e-book
The e-book features the innovative practical approaches and research of 40 of the conference participantswith outstanding scientists as Wolf Singer, Susan B. Neuman or Eric A. Hanushek among them. The articles cover topics from brain research to the economic relevance of early childhood development.

Why is this e-book relevant for you?
This e-book is relevant for everybody working in the field of literacy promotion. Why for everybody? Because Early Literacy is the stepping stone into lifelong learning and serves as a foundation of acquiring reading skills later on. The articles bring you up to speed.

Book sections
1. Early Childhood Development – Prerequisites for Better Outcomes
2. Early Literacy Education – Concepts, Practice and Meaning
3. Background Conditions and Factors Influencing Development Potential and Literacy Support
4. Actors Promoting Early Childhood Literacy
5. Good Practices
6. Long-Term Perspectives
Leipzig Recommendations on Early Literacy Education

About the conference
More than 130 participants from 35 different countries discussed cultural, social and political state-of-the-art topics related to early childhood language and reading skills. The International Expert Conference "Prepare for Life! Raising Awareness for Early Literacy Education" took place in Leipzig from 12th to 14th March 2013.

The conference was organised by Stiftung Lesen  and sponsored by the German Federal Ministry of Education and Research.

Technical details
144 pages as PDF.

Download the e-book now for free (PDF):
Prepare for Life! Raising Awareness for Early Literacy Education  

Definition „Literacy“

Für die Arbeit der Stiftung Lesen wird der Begriff „Literacy“ vor allem in Bezug auf Lesekompetenz verwendet. Er umfasst im Wesentlichen die Fähigkeit, Texte zu verstehen, ihren Inhalt zu erfassen und anzuwenden.

Damit folgt das Verständnis der Definition der PIAAC-Studie: „Unter Lesekompetenz wird das Verstehen, Nutzen und Interpretieren von geschriebenen Texten verstanden. Die Lesekompetenz ist Voraussetzung, um das eigene Wissen und Potenzial weiterzuentwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“[1]

Zentrale Voraussetzungen für „Literacy“ bilden Lesemotivation und Lesefreude. Sie stehen im Mittelpunkt der Programme, Projekte und Kampagnen der Stiftung Lesen.


 

Der wissenschaftliche Begriff „Literacy“ wird in der englischsprachigen Leseforschung verwendet. Es gibt verschiedene Anwendungsbereiche und Definitionen dieses Begriffs, der sich nicht adäquat ins Deutsche übersetzen lässt. Er wird zum Teil gleichgesetzt mit Lesekompetenz,[2] umfasst allerdings „- je nach Verwendung - eine sowohl gesellschaftliche als auch individuelle Perspektive der schriftsprachlichen Fähigkeiten“.[3]  Häufig wird „Literacy“ im deutschen Kontext mit „Literalität“[4]  übersetzt. Allerdings ist diese Übersetzung nicht konkreter definiert als der ursprüngliche Begriff.

[1] Siehe die Definition in Rammstedt, Beatrice, Ackermann, Daniela, Helmschrott, Susanne, Klaukien, Anja, Maehler, Débora B., Martin, Silke, Massing, Natascha und Zabal, Anouk (2012): PIAAC 2012: Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick. , S.4 (01.09.16).

[2] Vgl. Bonfadell, Heinz (2015): Sozial- und kommunikationswissenschaftliche Ansätze. In: Lesen. Ein interdisziplinäres Handbuch. Schneider, Ute und Rautenberg, Ursula (Hrsg.) Walter de Gruyter GmbH, S. 79.

[3] Vgl. Hurrelmann, Bettina (2009): Literalität und Bildung. In:  Andrea Bertschi-Kaufmann / Cornelia Rosebrock (Hrsg.): Literalität. Bildungsaufgabe und Forschungsfeld. Weinheim, S. 21 – 42.

[4] Vgl. etwa die Definition bei Sting, Stephan (2003): Stichwort: Literalität – Schriftlichkeit. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 6, Heft 3, S. 317 – 337.